Willkommen
Zur Gedenkveranstaltung in Kraslice waren etwa 30 Teilnehmer gekommen, darunter darunter auch Teilnehmer von der LINKEN und der VVN-BdA Vogtland. Der Vorsitzende der KSCM Rotava würdigte in einer kurzen Ansprache den Kampf der Soldaten der Roten Armee, welche die CSR von den faschistischen Okkupanten befreit haben. Er erinnerte an die polnischen Zwangsarbeiter, die hier in Kraslice bei einem Bombenangriff den Tod fanden.
Die VVN-BdA stiftete einen Rosenstock, der an dem Gedenkort einen würdigen Platz finden wird.
Foto:Souhrada
Begrüßung Peter Giersich - VVN-BdA Vogtland
Liebe Freunde und VVN-Kameraden,
verehrte Anwesende
Namens des Kreisvorstandes Vogtland der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten begrüße ich Sie herzlich zu unserer Gedenkveranstaltung. Besonders begrüße ich die Damen und Herren Kreisräte und Stadträte, welche heute teilnehmen. Der Oberbürgermeister Reichenbachs lies sich wegen anderer Termin entschuldigen. Besondere Grüße lies er nicht übermitteln.
Heute vor 67 Jahren fand der bisher blutigste, grausamste Krieg der Neuzeit sein Ende. Die Armeen der Anti-Hitler-Koalition zerschlugen die faschistischen Horden auf eigenem Boden. Der Krieg war dorthin zurückgekehrt, von wo er gekommen war - mit all seinen Schrecken, Grausamkeiten und Leiden.
Wir haben hier die Fahnen der vier Siegermächte aufgezogen, die gemeinsam unser Volk vom Hitlerfaschismus befreiten.
Die Vereinigten Staaten von Amerika traten im Dezember 1941 nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor in den Krieg ein. Im Januar 1942 bildeten sie gemeinsam mit der Sowjetunion und Großbritannien die Anti-Hitler-Koalition, der sich später auch Frankreich und weitere Staaten anschlossen. Die USA bezahlten den Sieg über Hitlerdeutschland mit dem Leben von 300.000 Soldaten.
Die Republik Frankreich und Großbritannien erklärten am 3. September nach dem deutschen Überfall auf Polen, dessen Verbündeten sie waren, Deutschland den Krieg. Es begann ein weitgehend wirkungsloser Stellungskrieg. Schließlich drangen faschistische Verbände im Mai 1940 unter Missachtung der Neutralität Belgiens, der Niederlande und Luxemburg in Frankreich ein. In Frankreich entfaltete sich ein umfassender Partisanenkrieg. Frankreich verlor im Ringen um seine nationale Unabhängigkeit und Freiheit 250.000 Soldaten und 270.000 Zivilisten, also 520.000 Menschen.
Im Sommer 1940 begann der Bombenkrieg Hitlerdeutschlands gegen Großbritannien. Die Bombardements Londons, Coventrys und weiterer englischer Städte töteten bis zum Jahresende 1940 etwa 23.000 Zivilisten. 370.000 englische Soldaten und 60.000 Zivilisten mussten ihr Leben lassen, bis die faschistische Hydra besiegt wurde.
Die Sowjetunion trug die Hauptlast im Zweiten Weltkrieg. Sie verlor in ihrem "Großen Vaterländischen Krieg" etwa 26,8 Millionen Menschen, darunter 11,4 Millionen Soldaten, von denen 8,4 Millionen durch Kampfhandlungen und drei Millionen in deutscher Kriegsgefangenschaft starben. Den größten Anteil der sowjetischen Opfer bildeten aber etwa 15,2 Millionen getötete Zivilisten, die der rassistischen Ausrottung der Nazis zum Opfer fielen, als Zwangsarbeiter in Deutschland zugrunde geschunden wurden oder zur Vergeltung für Partisanenaktionen als Geiseln erschossen wurden.
Wir stehen hier an den Grabstätten von 57 Sowjetbürgern, die in Reichenbach, fern ihrer Heimat, den Tod fanden.Ihnen und all den anderen Opfern gilt unser Bekenntnis: Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!
Ich bitte nun den Vorsitzenden der Linksfraktion im Reichenbacher Stadtrat, Herrn Ruß, ums Wort.
Foto:Peter Giersich
Ansprache Stadtrat Henry Ruß
Verehrte Anwesende, liebe Freunde,
alljährlich treffen wir uns an diesem Ort, um an die millionenfachen Toten und Opfer des Krieges zu denken, der heute vor 67 Jahren in Europa sein Ende nahm. Ich betone Europa, da der Krieg mit der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschland noch längst nicht überall auf der Welt zu Ende war. Erst am 2. September 1945 war der zweite Weltkrieg mit der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch Japan Geschichte.
Drei Monate später am 2. August wurde das Protokoll der Dreimächtekonferenz, den meisten besser bekannt als Potsdamer Konferenz, veröffentlicht. Unter Römisch 3a, Abschnitt 3 wurde festgehalten:
„Die Nationalsozialistische Partei mit ihren angeschlossenen Gliederungen und Unterorganisationen ist zu vernichten; alle nationalsozialistischen Ämter sind aufzulösen; es sind Sicherheiten dafür zu schaffen, dass Sie in keiner Form wieder auferstehen können; jeder nazistischen und militaristischen Betätigung und Propaganda ist vorzubeugen.“
Während von Anfang an in der Sowjetischen BZ gemäß Potsdamer Abkommen daran gearbeitet wurde, konsequent mit der faschistischen Ideologie aufzuräumen, sahen dies die Verantwortlichen in den drei anderen Besatzungszonen weit weniger für wichtig an. Die Entnazifizierung wurde in der englischen als auch französischen Besatzungszone, später aber auch in der amerikanischen weit weniger konsequent durchgeführt, als dies im August 1945 zwischen den Siegermächten vereinbart wurde.
Was in der DDR unmöglich gewesen wäre, passierte nicht einmal zwei Jahrzehnte nach dem Ende des 2. WK in der BRD. Eine Partei Namens NPD wurde gegründet, die noch heute versucht, ihre menschenverachtende Ideologie unter die Menschen zu bringen. In ihrem aktuellen Parteiprogramm steht unter der Überschrift Bekenntnis zum Völkerrecht: „Unrecht kann niemals die Grundlage eines dauerhaften Friedens zwischen den Völkern sein. Die NPD bestreitet die Rechtmäßigkeit der durch die Alliierten erzwungenen Grenzanerkennungsverträge.“
Allein diese Haltung müsste ausreichen, um die NPD zu verbieten, würde sich die Bundesrepublik Deutschland zumindest moralisch an die Festlegungen des Potsdamer Abkommens gebunden fühlen. Aber auch die offene Ablehnung ausländischer MitbürgerInnen in Deutschland ist Programm für diese Partei. All das war bisher kein Grund, die Partei zu verbieten.
Wohin diese rechtsseitig dominierte Blindheit geführt hat, wurde im November des vergangenen Jahres zumindest für den Großteil der Bevölkerung deutlich. Da wurde bekannt, dass sich ein Nazitrio über ein Jahrzehnt durch Deutschland gemordet hat, scheinbar auch unterstützt durch die NPD und keiner will etwas gemerkt haben.
Um es klarzustellen, das Verbot einer rechtsradikalen Partei kann die Wurzeln nazistischen Gedankengutes nicht beseitigen, aber es wäre ein Anfang. Genauso muss endlich aufgehört werden mit dem ständigen Vergleich der DDR und dem faschistischen Naziregime. Aber auch die Konzentration auf die deutschen Opfer prägt eine Generation während man die Opfer der Befreier unbenannt lässt. Das Schulbuch, das einen den Befreiern gewidmeten Friedhof zeigt, muss erst noch gedruckt werden.
Wir stehen hier an der Grabstätte von Ausländern, die allesamt nicht freiwillig nach Deutschland gekommen waren. Sie wurden geholt, als Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter. Sie schufteten für Sklavenlohn in deutschen Betrieben und in der Landwirtschaft. Und die anderen hier Bestatteten kamen als Soldaten, die ihr Land befreit hatten und sich zum Ziel stellten, die Bestie in ihrer eigenen Höhle schlagen.
Die hier ruhen, können den Lauf der Geschichte nicht mehr ändern. Aber ihr Tod darf nicht umsonst gewesen sein. Wir können aus der Geschichte, die auch ihre Opfer einschließt, lernen und durch aktives, bewusstes, zielstrebiges Handeln den Verlauf der Geschichte beeinflussen. Dies sollte uns Verpflichtung sein!
In diesem Sinne wollen wir die Toten ehren, die uns Lebenden doch so viel zu sagen haben.
Ehre ihrem Andenken!
Der Kreisverband Vogtland der VVN-BdA führt
am Dienstag, 08. Mai 2012
zwei Gedenkveranstaltungen zum Tag der Befreiung durch. Damit wollen wir an die furchtbaren Folgen der Hitlerdiktatur, an die Verbrechen des deutschen Faschismus und den heldenhaften Kampf der Soldaten der Antihitlerkoalition erinnern. Unsere Mahnung ist "Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!"Gedenkveranstaltungen
um 10:00 Uhr
Plauen Hauptfriedhof am sowjetischen Ehrenmal
es spricht Stadtrat Benjamin Zabel
um 17.00 Uhr
Grab- und Gedenkstätte in Reichenbach, Am Bürgerholz,
es spricht Stadtrat Henry Ruß
Auch am 08.05.2012 findet um 12.30 Uhr ein Treffen von Schülern der Plauener Friedensschule mit einem Überlebenden des Holocaust statt, der heute in Chemnitz lebt und sich aktiv dafür einsetzt, die Erinnerung an dieses Menschheitsverbrechen wach zu halte und als Verpflichtung für gegenwärtiges Denken und Handeln zu verstehen.
am Mittwoch, 09. Mai 2012
Gedenkveranstaltung
der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens (KSCM)
um 15:00 Uhr
Kraslice (Tschechische Republik) Friedhof
Traditionell werden auch wieder Vertreter der LINKEN Klingenthal und des VVN-BdA Vogtland teilnehmen.


